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Herz- und Gefäßgesundheit – Einer der Schlüssel zu Longevity

 

 

 

 

 

 

Herz- und Gefäßgesundheit verstehen

Wie Ernährung unsere Arterien schützt – oder schädigt

Ein Leitfaden für Menschen von 18 bis 95 Jahren

Warum Herz-Gefäßgesundheit jeden betrifft

Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind in Europa und weltweit die häufigste Todesursache. Dazu zählen Herzinfarkt, Schlaganfall, periphere arterielle Verschlusskrankheit und viele Folgeerkrankungen. Was dabei oft unterschätzt wird:

Die meisten Gefäßschäden entstehen langsam – über Jahrzehnte.

Schon im jungen Erwachsenenalter beginnen Veränderungen in den Arterien, lange bevor Symptome auftreten. Ernährung spielt dabei eine zentrale Rolle, weil sie direkt beeinflusst:

  • den Cholesterinspiegel
  • Entzündungsprozesse
  • die Elastizität der Gefäße
  • den Zucker- und Fettstoffwechsel

Die gute Nachricht: Gefäße reagieren positiv auf Veränderungen – in jedem Alter.

Die Arterie – mehr als ein Rohr

Arterien sind keine starren Leitungen. Ihre innere Auskleidung, das Endothel, ist ein hochaktives Organ:

  • Es reguliert den Gefäßtonus
  • steuert Entzündung und Gerinnung
  • produziert gefäßerweiterndes Stickstoffmonoxid (NO)

Eine gesunde Ernährung unterstützt diese Funktionen. Eine ungünstige Ernährung schädigt sie – schleichend, aber nachhaltig.

Fette: Nicht die Menge, sondern die Qualität zählt

Lange galt Fett pauschal als „ungesund“. Heute weiß man:
Entscheidend ist, welche Fettsäuren wir essen.

Die drei Hauptgruppen

  • Gesättigte Fettsäuren
  • Einfach ungesättigte Fettsäuren
  • Mehrfach ungesättigte Fettsäuren (Omega-6 und Omega-3)

Vor allem gesättigte Fettsäuren stehen im Zentrum der Gefäßdiskussion.

Gesättigte Fettsäuren – warum sie problematisch sind

Gesättigte Fettsäuren sind nicht akut giftig. Das Problem entsteht durch regelmäßige Überversorgung.

Der biochemische Mechanismus – vereinfacht erklärt

  1. Gesättigte Fettsäuren erhöhen das LDL-Cholesterin
  2. LDL gelangt in die Gefäßwand
  3. Dort wird es oxidiert („rostet“)
  4. Das Endothel reagiert entzündlich
  5. Immunzellen bilden Schaumzellen
  6. Plaques entstehen
  7. Gefäße verengen sich oder Plaques reißen

Das Resultat kann ein Herzinfarkt oder Schlaganfall sein – oft Jahrzehnte später.

Nicht alle gesättigten Fettsäuren wirken gleich

Ein wichtiger Punkt, der oft übersehen wird:

  • Myristinsäure (C14:0)
    → besonders stark LDL-steigernd
  • Palmitinsäure (C16:0)
    → moderat problematisch
  • Stearinsäure (C18:0)
    → weitgehend neutral

Wo steckt besonders viel Myristinsäure?

  • Butter, Ghee
  • Kokosöl, Palmkernfett
  • Sahne, fettreiche Milchprodukte

Diese Fette sind für Gefäße ungünstiger, als viele denken.

Stearinsäure – die Ausnahme unter den gesättigten Fetten

Stearinsäure findet sich vor allem in:

  • Kakaobutter
  • dunkler Schokolade
  • Rindfleisch

Sie erhöht das LDL-Cholesterin kaum, weil sie im Körper teilweise zu Ölsäure umgewandelt wird.
Das erklärt, warum dunkle Schokolade trotz gesättigter Fette nicht automatisch gefäßschädlich ist – solange sie maßvoll konsumiert wird.

Avocado vs. Butter – ein Paradebeispiel

Avocadofett

  • überwiegend einfach ungesättigt
  • entzündungshemmend
  • LDL-senkend
  • kein Cholesterin

Butterfett

  • hoher Anteil gesättigter Fettsäuren
  • enthält Myristinsäure
  • LDL-steigernd

Auch beim Omega-6-zu-Omega-3-Verhältnis schneidet Avocado akzeptabel ab, während Butter zwar ein günstigeres Verhältnis hat, aber insgesamt zu viele gesättigte Fettsäuren liefert.

Für den Alltag ist Avocado klar gefäßfreundlicher.

Milchprodukte – differenziert betrachten

Milchprodukte sind kein einheitliches Problem, aber auch kein Automatismus für Gesundheit.

Günstiger

  • Naturjoghurt
  • Skyr
  • Kefir

Kritischer

  • Sahne
  • Kondensmilch
  • fettreicher Käse in großen Mengen

Kondensmilch enthält je nach Fettgehalt 2–5 g gesättigte Fettsäuren pro 100 g – mehr als normale Milch, weniger als Sahne.

Fleisch und Wurst – vor allem die Verarbeitung zählt

Weißwurst als Beispiel

  • 1 Weißwurst: ca. 7–8 g gesättigte Fettsäuren
  • 2 Weißwürste: bis zu 80 % der empfohlenen Tagesmenge

Gelegentlich kein Problem – regelmäßig ungünstig.

Eier – besser als ihr Ruf

Der Eidotter enthält gesättigte Fettsäuren, aber:

  • überwiegend einfach ungesättigte Fette
  • wertvolle Mikronährstoffe
  • Cholin, Vitamin D, Antioxidantien

Für gesunde Menschen gilt:
Bis zu 1 Ei pro Tag ist gefäßneutral.

Fisch – ein Schlüssel zur Arteriengesundheit

Fettreicher Fisch

  • Lachs
  • Hering
  • Makrele

→ liefert Omega-3-Fettsäuren, die:

  • Entzündung senken
  • Plaques stabilisieren
  • Thrombosen vorbeugen

Magerer Fisch (z. B. Skrei)

  • wenig Fett
  • viel Protein
  • Jod und Selen

Ideal in Kombination: 1 fetter + 1 magerer Fisch pro Woche

Schokolade – Genuss mit Maß

Milchschokolade enthält:

  • ca. 30 % Fett
  • davon 17–20 % gesättigte Fettsäuren

Dunkle Schokolade enthält mehr gesättigte Fette, aber auch mehr antioxidative Pflanzenstoffe.

Empfehlung:

  • kleine Portionen
  • nicht täglich
  • bewusst genießen

 

Pflanzliche Helfer für gesunde Gefäße

Besonders günstig wirken:

  • Olivenöl (nativ extra)
  • Rapsöl
  • Nüsse und Samen
  • Hülsenfrüchte
  • Gemüse, vor allem grünes Blattgemüse
  • Beeren

Sie senken LDL, fördern die NO-Produktion und wirken entzündungshemmend.

Ballaststoffe – unterschätzter Gefäßschutz

Ballaststoffe:

  • binden Gallensäuren
  • senken Cholesterin
  • stabilisieren den Blutzucker

Gute Quellen:

  • Hafer
  • Vollkorngetreide
  • Hülsenfrüchte
  • Gemüse

Ziel: mindestens 30 g Ballaststoffe pro Tag

Medikamente und Ernährung – kein Widerspruch

Bei erhöhtem Risiko werden häufig Statine eingesetzt.
Beispiel:

  • 40 mg Atorvastatin ≈ 10 mg Rosuvastatin

Medikamente senken das Risiko effektiv – ersetzen aber keine gefäßfreundliche Ernährung. Beides wirkt additiv.

Die gefäßfreundliche Ernährung – zusammengefasst

Was fördert die Arterien-Gesundheit?

  • ungesättigte Fette
  • Omega-3-Fettsäuren
  • Gemüse, Obst, Ballaststoffe
  • Fisch
  • wenig verarbeitete Lebensmittel

Was schadet bei Übermaß?

  • gesättigte Fettsäuren
  • stark verarbeitete Wurst
  • Zucker-Fett-Kombinationen
  • große Portionen

Die einfache Tellerregel

  • ½ Teller: Gemüse & Obst
  • ¼ Teller: Vollkorn oder Hülsenfrüchte
  • ¼ Teller: Fisch oder pflanzliches Protein
  • Fett: Olivenöl statt Butter

Fazit: Kleine Entscheidungen, große Wirkung

Herz-Gefäßgesundheit ist kein kurzfristiges Projekt.
Sie entsteht aus tausenden Alltagsentscheidungen.

Nicht Perfektion schützt Arterien, sondern Konsequenz.

Egal ob 25 oder 85 Jahre alt:
Gefäße reagieren – immer.

(wm)