Zum Inhalt springen

Astaxanthin – ein starkes Antioxidans

Astaxanthin: Was macht dieses Antioxidanz in unserem Körper?

Astaxanthin gehört zur Familie der Carotinoide und ist ein natürlich vorkommendes Pigment, das Pflanzen, Algen und bestimmte Tiere rötlich oder rosafarben färbt. Bekannt ist es vor allem aus Lachs, Garnelen oder Flamingos, die ihre typische Farbe durch die Aufnahme von Astaxanthin erhalten. Doch das Besondere an dieser Substanz liegt weniger in ihrer Farbwirkung, sondern vielmehr in ihrer Rolle als starkes Antioxidans.

Antioxidantien sind Stoffe, die unseren Körper vor sogenannten freien Radikalen schützen. Diese hochreaktiven Sauerstoffmoleküle entstehen bei normalen Stoffwechselvorgängen, aber auch durch äußere Einflüsse wie UV-Strahlung, Rauchen oder Umweltgifte. Während unser Körper über eigene Abwehrsysteme verfügt, können diese durch zu viele freie Radikale überlastet werden. Genau hier setzt Astaxanthin an: Es fängt freie Radikale ab und schützt Zellen so vor Schäden.

Besonders spannend ist die Struktur von Astaxanthin. Im Gegensatz zu vielen anderen Antioxidantien kann es sich in Zellmembranen so verankern, dass es sowohl innen als auch außen aktiv ist. Das macht es zu einem sehr vielseitigen Zellschutzmittel. Studien zeigen, dass es im Vergleich zu Vitamin C, Vitamin E oder Beta-Carotin eine deutlich stärkere antioxidative Wirkung haben kann.

Wie wirkt Astaxanthin konkret?

  • Neutralisation freier Radikale: Astaxanthin verhindert, dass diese Moleküle DNA, Proteine oder Fette in Zellmembranen angreifen.
  • Entzündungshemmung: Es reduziert die Aktivität bestimmter Signalwege, die für chronische Entzündungen verantwortlich sind.
  • Zellschutz: Es stabilisiert Zellmembranen und beugt Lipidperoxidation vor.
  • Spezifische Organeffekte: Augen, Haut, Muskeln und das Herz-Kreislauf-System scheinen besonders zu profitieren.

Diese Wirkungen sind nicht nur in Labor- und Tierstudien beobachtet worden, sondern auch in klinischen Studien am Menschen. In einer doppelblinden, randomisierten Studie mit gesunden Japanerinnen und Japanern zeigte eine Einnahme von 4 mg Astaxanthin täglich über 10 Wochen, dass die Haut besser vor UV-Strahlung geschützt war und weniger Feuchtigkeitsverlust aufwies. Ähnliche Studien deuten zudem auf eine verbesserte Hautelastizität hin.

Eine Metaanalyse von 2022, die zwölf randomisierte kontrollierte Studien (RCTs) mit insgesamt rund 380 Teilnehmenden einschloss, kam zu dem Ergebnis, dass Astaxanthin die Werte für Malondialdehyd – ein Marker für Lipidoxidation – signifikant senken kann. Auch einige Entzündungsmarker, wie Interleukin-6 bei Typ-2-Diabetes, wurden positiv beeinflusst.

Was bedeutet Schutz vor oxidativem Stress für unsere Körperzellen?

Oxidativer Stress entsteht, wenn das Gleichgewicht zwischen freien Radikalen und der antioxidativen Abwehr kippt. Freie Radikale sind in kleinen Mengen wichtig: Sie dienen als Signalstoffe und helfen dem Immunsystem, Krankheitserreger zu bekämpfen. Doch wenn sie überhandnehmen, richten sie Schäden an.

Mögliche Schäden durch oxidativen Stress

  • DNA-Schäden: Mutationen können entstehen, die langfristig das Krebsrisiko erhöhen.
  • Proteinschäden: Strukturelle Proteine oder Enzyme verlieren ihre Funktion.
  • Zellmembranschäden: Fette in den Membranen oxidieren (Lipidperoxidation), wodurch Zellen instabil und durchlässig werden.

Man kann sich das bildlich so vorstellen: Eine Zelle ohne Antioxidantien ist wie ein Stück Metall ohne Schutzlack – sie „rostet“ schneller. Antioxidantien wie Astaxanthin wirken dagegen wie ein Schutzlack, der das Material länger haltbar macht.

Astaxanthin hat den Vorteil, dass es sowohl die innere als auch die äußere Schicht der Zellmembran schützt. Dadurch verhindert es, dass freie Radikale Membranen angreifen und so die Zellen in ihrer Funktion schwächen. Dieser Schutz ist nicht nur kurzfristig bedeutsam, sondern kann langfristig zu einer geringeren Anfälligkeit für altersbedingte Schäden führen.

Ein Beispiel aus der Forschung: In einer Studie mit gesunden Probanden führte die Einnahme von Astaxanthin in verschiedenen Dosierungen (zwischen 1,8 und 21,6 mg pro Tag) zu einer verlängerten „lag time“ der LDL-Oxidation. Das bedeutet, dass das „schlechte“ Cholesterin LDL länger resistent gegenüber oxidativen Angriffen blieb – ein Mechanismus, der möglicherweise Atherosklerose entgegenwirken könnte.

Krankheiten, die typischerweise mit oxidativem Stress in Zusammenhang gebracht werden

Oxidativer Stress ist an einer Vielzahl von Krankheiten beteiligt. Das erklärt, warum Antioxidantien wie Astaxanthin so stark im Fokus der Forschung stehen.

Neurodegenerative Erkrankungen

  • Alzheimer: Oxidativer Stress trägt zur Schädigung von Nervenzellen und zur Entstehung der typischen Plaques bei.
  • Parkinson: Dopamin-produzierende Nervenzellen sind besonders anfällig gegenüber Radikalen.
  • Multiple Sklerose (MS): Schäden an Myelinscheiden könnten durch oxidativen Stress verstärkt werden.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen

  • Atherosklerose: Oxidiertes LDL spielt eine Schlüsselrolle bei der Plaquebildung in Gefäßen.
  • Bluthochdruck: Freie Radikale stören die Gefäßelastizität und den Stickstoffmonoxid-Stoffwechsel.
  • Herzinfarkt/Schlaganfall: ROS tragen zur Schädigung der Gefäße und zur Thrombenbildung bei.

Augenerkrankungen

  • Makuladegeneration (AMD): Netzhautgewebe ist besonders sauerstoffreich und daher empfindlich für oxidativen Stress.
  • Grauer Star: Oxidation von Linsenproteinen begünstigt Trübungen.

Chronische Entzündungen

  • Rheumatoide Arthritis: Dauerentzündungen erzeugen ständig ROS.
  • Chronisch entzündliche Darmerkrankungen: oxidative Prozesse verstärken die Entzündungsreaktionen.

Krebs

Freie Radikale können DNA verändern und so Mutationen fördern, die langfristig zur Krebsentstehung beitragen.

Alterung

Auch normale Alterungsprozesse werden mit oxidativem Stress in Verbindung gebracht – etwa bei Hautalterung (Falten, Elastizitätsverlust) oder allgemeiner zellulärer „Erschöpfung“.

 

Klinische Evidenz: Was sagen die randomisierten kontrollierten Studien (RCTs)?

Die Forschungslage ist gemischt, aber interessant:

  • Hautschutz: Mehrere randomisierte Studien mit 20 bis 40 Teilnehmenden zeigen, dass 4 mg Astaxanthin über 10 Wochen den UV-Schutz der Haut verbessert und den Feuchtigkeitsverlust reduziert.
  • Metaanalyse 2022: Mit 12 RCTs und rund 380 Teilnehmenden die bisher größte Auswertung. Ergebnis: Signifikante Reduktion von oxidativem Stress (gemessen über MDA) und teilweise entzündungshemmende Effekte.
  • Herz-Kreislauf: Kleinere RCTs mit 30–50 Personen zeigten, dass Astaxanthin die Resistenz von LDL gegen Oxidation erhöhen kann. Die Effekte auf Lipidwerte und Entzündungsmarker wie CRP waren dagegen weniger konsistent.
  • Kombinationspräparate: In größeren Studien mit mehr als 100 Teilnehmenden wurde Astaxanthin oft zusammen mit anderen Wirkstoffen getestet (z. B. mit Lutein, Zeaxanthin oder Hyaluronsäure). Dort fanden sich Verbesserungen bei Gelenkbeschwerden oder bei Augenbelastung, allerdings lässt sich nicht eindeutig sagen, wie groß der Anteil von Astaxanthin am Effekt war.

Fazit: Ein starkes Antioxidans mit Potenzial

Astaxanthin ist ein bemerkenswertes Antioxidans, das in der Lage ist, Zellen auf mehreren Ebenen vor oxidativem Stress zu schützen. Die bisherigen Studien zeigen vielversprechende Ergebnisse, insbesondere für den Schutz von Haut und Augen sowie mögliche Effekte auf Herz-Kreislauf-Risikofaktoren.

wm