Cruikshank - The Head Ache
Die medikamentöse Therapie von chronisch neuropathischen Schmerzen wurde von einem internationalen Expertenteam neu geordnet.

Dazu wurden alle seit 1966 veröffentlichten Studien zur Therapie von neuropathischen Schmerzen mit Tabletten und Salben gesichtet und bewertet.

Medikamente wurden primär mit dem Kriterium bewertet, wieviele Patienten behandelt werden müssen um eine 50%ige Schmerzreduktion erreichen zu können (für Statistikfreaks: NNT).

Die nachfolgenden Therapieempfehlungen beziehen sich auf Patienten mit folgenden Schmerzsyndromen:

• Neuralgie nach Herpes zoster (Gürtelrose)
• Neuropathie bei Diabetes mellitus
• Schmerzsyndrom nach Amputationen
• Neuropathie nach Traumata (Verletzungen, Operationen)
• Regionales Schmerzsyndrom (CRPS)
• Schmerzsyndrom nach Schlaganfall
• Schmerzsyndrom nach Rückenmarksverletzungen (nach Bandscheibenvorfällen, Bandscheiben-Operation)
• Schmerzsyndrom bei Multipler Sklerose

Am häufigsten wurden Studien zu Neuralgien nach Herpes zoster und Neuropathien bei fortgeschrittenen Stadien von Diabetes mellitus gesichtet.

Nachfolgende Schmerzqualitäten wurden bei den Empfehlungen der Expertengruppe nicht berücksichtigt:

• Lokale Kreuzschmerzen ohne Ausstrahlungssymptomatik (keine radikuläre Symptomatik)
• Fibromyalgie
• Atypische Gesichtsschmerzen

Ergebnisse des Expertenteams hinsichtlich der empfehlenswerten Therapieoptionen (erste Wahl) bei den oben genannten Schmerzsyndromen:

Antidepressiva
Trizyklische Antidepressiva
Serotonin-Noradrenalin-Reuptakehemmer (SNRI; Duloxetin, Venlafaxin, Desvenlafexin)

Antiepileptika
Pregabalin
Gabapentin wurde besonders gut bewertet;

Opioide
Tramadol (bei eingeschränkter Verträglichkeit)

Zweite/Dritte Wahl-Substanzen
Cannabis-Extrakte, Lidocainsalben und Capsaicin-Pflaster hatten keine überzeugenden Studienergebnisse bei einer Anwendungsdauer von über 3 Wochen gezeigt. Morphin zeigte erst ab einer täglichen Dosierung von 180 mg/Tag einen guten Effekt hinsichtlich neuropathischer Schmerzen. Kombinationen der oben genannten Arzneimittel sind nicht überzeugend besser als die Einzelsubstanzen.

FAZIT: Zuerst die Substanzen der ersten Wahl nacheinander über einen ausreichend langen Zeitraum austesten bis das Richtige gefunden wurde. Persönlich empfehle ich mit Gabapentin zu beginnen. Wer es hingegen mit einer natürlichen Alternative zu Gabapentin versuchen möchte: Gamma-Amino-Buttersäure (GABA) hat strukturelle Ähnlichkeiten zu Gabapentin. GABA steht als Nahrungsergänzungskapseln zur Verfügung. Wenden Sie sich an einen Arzt, der Erfahrungen mit der GABA-Behandlung hat.
(Winfried Miller)