Big Five ModelWichtige Persönlichkeitsmerkmale scheinen, stärker als bisher vermutet, in den Genen hinterlegt.

Die fünf bedeutendsten, genetisch hinterlegten Merkmale sind:

Neurotizismus (emotionale Labilität)
Extraversion (nach außen gerichtetes Handeln)
• Generelle Offenheit für neue Erfahrungen
• Gewissenhaftigkeit
• Verträglichkeit

Der genetische Anteil dieser Persönlichkeitsmerkmale soll bei bis zu 40-60 Prozent liegen; soziale Einflüsse machen bis zu 25%, individuelle Erlebnisse bis zu 30% aus.

Wer eine Veranlagung zu Neurotizismus hat, wird als ängstlicher, unsicherer und mit negativen Gedanken behafteter Mensch auftreten. Kontaktarmut und soziale Vereinsamung und die sich daraus ergebenden Verhaltensweisen sind die Folgen.

Extrovertierte Menschen verhalten sich gegengesetzt zu den oben genannten Personen; sie sind an sozialen Kontakten interessiert und gehen aktiv darauf zu.

Menschen mit wenig Sozialkontakten sollen laut Molekularbiologen einen vergleichbar erniedrigten Serotoninspiegel haben, weil Erbgutabschnitte in einer speziellen Konstellation vorliegen. Borderline-Störungen und Depressionen sind die Folge.

Wer eine bestimmte, genetisch hinterlegte Variante des Vasopressin-Gens hat, wird sich im Laufe seines Lebens vermutlich häufiger von seinem Partner trennen (bis zu 50%) als Menschen ohne diese Genvariante. Vielschichtige Partnerprobleme und das Vorhandensein dieser Genvariante hängen anscheinend zusammen.

FAZIT: Zumindest bei den sogenannten BIG FIVE-Persönlichkeitsmerkmalen ist der genetische (vererbte) Anteil prozentual bedeutsamer als das soziale Umfeld und individuelle Lebenserfahrungen. Als Entschuldigung für „sozial auffälliges“ Verhalten gilt das Wissen um die Bedeutung der vererbten Merkmale jedoch nicht.
(Winfried Miller)