Blutentnahme

Diese Diskussion hat in 2009 begonnen und wurde auch in 2012 fortgesetzt.
Die Meinungsmacher (z.B. PD Dr. Hans-Hermann Dubben, HH, Klinikum Eppendorf), die ein regelmäßiges PSA-Screening ablehnen, haben meiner Meinung nach vor allem die volkswirtschaftlichen Kosten eines derartigen Screenings im Blick oder sie agieren mit falschen Zahlen (Dubben ist Statistiker!). Aber auch Kliniker, wie Dr. Christian Arsov, Prof. Dr. Nikolaus Becker und Prof. Dr. Peter Albers (Universitätsklinikum Düsseldorf) sind gegen eine frühzeitige PSA-Screening.

Dass eine regelmäßige PSA-Wert-Bestimmung ab dem 45. Lebensjahr (1 x jährlich) durchaus dazu beitragen kann, frühzeitig eine „auffällige“ Prostata zu erkennen, ist meine Erfahrung aus der täglichen Praxis.

Wie wir alle wissen, ist eine PSA-Erhöhung über dem Normwert in den selteneren Fällen tatsächlich auch durch ein Prostatakarzinom bedingt. Am häufigsten sind akute und chronische Entzündungen der Prostata, eine gutartige Prostatavergrößerung und eine fehlerhafte Durchführung der PSA-Bestimmung (zuerst muss eine Blutabnahme und dann die rektale Untersuchung erfolgen) die wirklichen Ursachen für einen erhöhten PSA-Wert.

Ein einmalig erhöhter PSA-Wert allein ist meiner Meinung nach kein Kriterium für einen invasiven Eingriff (Biopsie). Im Abstand von 3-4 Wochen sollte erneut eine PSA-Bestimmung durchgeführt werden. Dabei ist darauf zu achten, dass 2-3 Tage vor der erneuten Untersuchung der Stuhlgang nicht hart ist, nicht Fahrrad gefahren wird (Satteldruck auf der Prostata) und keine Ejakulation stattgefunden hat.

Seit 1991 gibt es eine europaweit durchgeführte PSA-Studie bei inzwischen mehr als 180.000 Männern. Dem Studienprotokoll zufolge wurde pro Teilnehmer durchschnittlich alle 4 Jahre der PSA-Wert bestimmt (dieser lange Abstand ist im Sinne der Früherkennung schlichtweg ein Witz!). Bei einem PSA-Wert über 3 ng/ml wurde automatisch die Indikation für eine Biopsie gestellt. 86% der Männer mit einem erhöhten PSA-Wert haben diese Biopsie dann auch tatsächlich durchführen lassen.

Die bisherige Auswertung der seit über 20 Jahren laufenden Studie zeigt, dass durch die Teilnahme an dem Screening, das relative Risiko, an einem Prostatakrebs zu sterben, um 21% gesenkt wurde.

Lässt ein Mann im Alter von 60 Jahren erstmalig eine PSA-Bestimmung machen, ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Prostatakarzinom bei ihm gefunden wird bei 5%! Bestimmt man hingegen bei Männern im Alter von 60 Jahren, die bisher regelmäßig (mindestens 1 x jährlich) zur Vorsorgeuntersuchung inklusive PSA-Bestimmung gegangen sind, erneut den PSA-Wert, dann ist die Wahrscheinlichkeit, bei diesen Männern ein Prostatakrebs zu finden lediglich bei 1%!

Wird bei Männern, die sich gesund fühlen, im Rahmen der Gesundheitsuntersuchungen regelmäßig auch das PSA bestimmt, dann reduziert sich dadurch, im Falle einer Prostatakrebs-Diagnose, die spezifische Sterberate um ein Drittel!

Muss man da tatsächlich noch darüber diskutieren, ob das frühzeitige und regelmäßige PSA-Screening sinnvoll ist?

Den Gegnern des regelmäßigen PSA-Screenings scheint das aber zu wenig zu sein. Die volkswirtschaftliche Seite wird immer wieder dagegen als Argument aufgeführt. In den USA wird deshalb bereits seit 2011 das PSA-Screening von offizieller Seite nicht mehr unterstützt. Wir können darauf warten, dass diese Haltung auch in Europa Einzug halten wird. Es geht ja um´s Geld.

Meiner Meinung nach sollte es jedem Einzelnen überlassen bleiben, ob er und wie oft er seinen PSA-Wert bestimmen lässt. (Winfried Miller)