Tea leaves steeping in a zhong čaj 05

Seit vielen Jahren wird darüber spekuliert, ob der Konsum von größeren Mengen an Grüntee eventuell eine schützende Wirkung vor Prostatakrebs haben könnte.

In Studien der vergangenen 10 Jahre wurden immer wieder Hinweise gefunden, dass Inhaltsstoffe des Grüntees, sogenannte EGCG = Epigallo-Catechingallate, kurz Catechine genannt, diese schützende Wirkung haben könnten.

Italienische Forscher haben bereits im Jahr 2005 nachweisen können, dass bei Männern mit Vorstufen von Prostatakrebs, die Weiterentwicklung dieser „Noch-Nicht-Krebszellen“ (= intraepitheliale Neoplasien) zu definierten Prostatakrebszellen durch den Konsum von Grüntee gehemmt werden konnte.

Von 32 Männern in der Gruppe, die Catechine bekommen hatten, entwickelte nur ein Mann ein definitives Prostatakarzinom! Zu erwarten wäre gewesen, dass ca. 1/3 dieser Männer innerhalb eines Jahres ein definitives Prostatakarzinom entwickeln. In der Vergleichsgruppe ohne Catechine hatten 9 Männer tatsächlich ein definitives Prostatakarzinom entwickelt.

Wie kann man sich die Wirkung dieser Catechine erklären?
Die Catechine sind offensichtlich in der Lage, das bei Krebszellen verloren gegangene „Selbstmordprogramm“ wieder in Gang zu setzen. Diese Fähigkeit von Zellen, sich selbständig abzuschalten und abzusterben wird Apoptose genannt. Krebszellen haben fatalerweise diese Möglichkeiten der Selbstregulation der Teilung und damit des Wachstums von Zellgewebe verloren.

Jetzt fragen Sie sicher vielleicht, weshalb hat mir mein Urologe/Onkologe/Hausarzt nie etwas von dieser Möglichkeit erzählt? Fragen Sie einfach mal hartnäckig nach.

Was bedeutet das Ergebnis dieser Studien jetzt für Sie?
Nachdem bei Ihnen wahrscheinlich bereits ein Prostatakarzinom nachgewiesen wurde (sonst hätten Sie sich wahrscheinlich dieses Buch nicht gekauft), können die Ergebnisse dieser Studien, die einen schützenden (präventiven) Effekt von Catechinen im Grüntee nachgewiesen haben, nicht einfach übernommen werden. Ob Catechine aus dem Grüntee die Weiterentwicklung, die ungebremste Teilung von bereits vorhandenen Prostatakrebszellen derart beeinflussen können, dass es zu einer Apoptose der Krebszellen kommt, ist bisher in keiner Studie, die mir bekannt wäre, bewiesen worden.

Wenn Sie für sich aber entscheiden sollten, dass sie diese Option auf jeden Fall versuchen möchten, dann sollten Sie sich im Klaren sein, dass Sie täglich große Mengen an Grüntee trinken müssen. Konkret heißt das, dass Sie 15-20 Tassen Grüntee pro Tag trinken sollten. Eine Menge, die, wie ich meine, von den Wenigsten getrunken werden kann.

Wenn Sie im Internet nach Grüntee + EGCG suchen, dann kommen Sie auch auf Angebote von Herstellern und Vertriebsfirmen, die EGCG -Konzentrate in Kapseln anbieten. Was ist davon zu halten?

Aus Studien mit anderen isolierten Pflanzeninhaltsstoffen (z.B. Lycopin aus der Tomate) hat man gelernt, dass der reine Extrakt, das Konzentrat des Wirkstoffes, im Darm nicht so gut aufgenommen wird, wie wenn sich der Wirkstoff in seiner natürlichen Umgebung (= Matrix) befindet.

Für die Nutzung von EGCG -Konzentraten in Kapselform könnte das eventuell bedeuten, dass man diese Kapseln durchaus nehmen kann, man sollte das dann aber mit einer Tasse frisch zubereitetem Grüntee machen.

In der genannten Studie aus Italien hatten die Patienten pro Tag ca. 300 mg EGCG in Form von Grüntee eingenommen. Je nach Konzentration von EGCG in den Kapseln würde das bedeuten, dass 3 Kapseln pro Tag plus 3 Tassen Grüntee diese Menge an EGCG zur Verfügung stellen würden. Das ist machbar! (Winfried Miller)