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Wir kennen und nutzen in der täglichen Therapie die Wirkungen und Eigenschaften der Steroidhormone Östrogene und Testosteron, das Progesteron jedoch interessiert bisher nur sehr wenige Therapeuten.

Dabei hat Progesteron eine außerordentliche Position im Hormonhaushalt. Als Ausgangssubstanz für die Aldosteronbildung (ein Hormon für Wasserhaushalt und Blutdruckverhalten des Körpers) und für die Nebennierenhormone der Kortisolreihe ist Progesteron unersetzlich.

Aus Progesteron wird die Vorstufe von Testosteron gebildet; Testosteron und dessen Vorstufen sind auch für die Entstehung der verschiedenen Östrogene der Frau wichtig.

Es gibt in den zurückliegenden Monaten verstärkt Bemühungen, die Bedeutung der natürlichen und körpereigenen, sowie in der Therapie, der körperidentischen Hormone herauszustellen. Das bedeutet konkret: weg von den künstlichen „Hormonen“!

Die von der Industrie zur Therapie zur Verfügung gestellten „Hormonpräparate“ sind in Wirklichkeit chemisch veränderte Substanzen mit hormonähnlicher Wirkung. Unser Körper kennt diese Substanzen jedoch nicht. Deshalb tut er sich mit der Entgiftung dieser Substanzen teilweise schwer. Dass diese künstlich geschaffenen Substanzen mit hormonähnlicher Wirkung nicht ungefährlich sind, zeigen die Meldungen der letzten Jahre in Zusammenhang mit Krebserkrankungen unter einer Therapie mit derartigen Substanzen. In den letzten Tagen wurde in Frankreich ein auch bei uns in Deutschland verwendetes „Hormon“-Arzneimittel vom Markt genommen. Unter dieser Substanz war es in der Vergangenheit zu Thrombosen mit Todesfällen gekommen.

Die Zunahme der Brustkrebsrate um bis zu 600% unter einer alleinigen Therapie mit künstlichen hormonähnlichen Substanzen mit Östrogenwirkung, hat zum Umdenken bei der Therapie der Wechseljahresbeschwerden geführt.

Wenn die Problematik der chemisch veränderten Substanzen bekannt ist, warum dann nicht einfach naturidentische Hormone verwenden, die unser Körper kennt, da er sie selber produzieren kann/konnte?

Diese in der Hormonsubstitution verwendeten „echten“ Hormone sind zu 100 Prozent mit den körpereigenen Hormonen identisch.

Widmen wir uns im Folgenden dem Progesteron.

Bekannte Wirkungen von Progesteron

• Ein ausreichend hoher Progesteronspiegel im Blut ist wichtig, um als Gegenspieler zu den Östrogenen zu agieren.
• Schutz vor Zysten im Brustdrüsengewebe
• Erleichtert die Umwandlung von Fett in Energie
• Fördert die Wasserausscheidung auf natürliche Weise
• Schützt vor einer Depression, Angstattacken

• Schützt vor Gebärmutterkrebs
• Schützt vor Brustkrebs
• Schützt vor Prostatavergrößerung
• Schützt deutlich besser als Östrogene vor einer Osteoporose durch aktiven Knochenaufbau
• Entzündungshemmende Wirkung

Bei Progesteronmangel können nachfolgende Symptome auftreten:

• PMS (=prämenstruelles Syndrom)
• Kopfschmerzen bis zur Migräne
• Haarausfall
• Schilddrüsenprobleme
• Zunahme an Allergien
• Zyklusabhängige Mastopathie
• Prostatavergrößerung
• Verstärkte Wassereinlagerungen
• Gewichtszunahme
• Darmprobleme (Blähungen)
• Zu kurzer Zyklus (21-Tage) bzw. Zwischenblutungen
• Schlafstörungen
• Kognitive Störungen
• Angstattacken, soziale Phobien

Zusätzlich Wissenswertes zu Progesteron:

Grundsätzliches:
Jegliche Gabe von naturidentischen Hormonen (die „echten“ Hormone) durch einen Therapeuten setzt voraus, dass ein Mangel nachgewiesen wurde bzw. hoch wahrscheinlich ist. Dieser Nachweis erfordert zwingend auch eine Laborbestimmung der Hormone. Auch unter einer laufenden Therapie mit naturidentischen Hormonen muss regelmäßig der Hormonstatus kontrolliert werden.

Frauen, die eine „Pille“ zur Empfängnisverhütung einnehmen, haben meistens keinen Eisprung (Ovulationshemmer) mehr. Der nach einem Eisprung sich bildende Gelbkörper ist jedoch die Hauptquelle für Progesteron bei der geschlechtsreifen Frau. Durch die jahrelange Pilleneinnahme resultiert ein Progesteronmangel bei einer relativen Östrogendominanz (zu viel an Östrogenen).

Die Einnahme von Yamswurzel-Extrakten wirkt nicht im Sinne einer natürlichen Progesteronsubstitution. Der Mensch als „Säugetier“ hat kein Enzym, um das in der Yamswurzel enthaltene Diosgenin direkt in Progesteron umzuwandeln.

Oral eingenommenes Progesteron wird durch den first-pass-Effekt in der Leber zu 17-OH-Progesteron umgewandelt und 17-OH-Progesteron kann die Blut-Hirn-Schranke überqueren. Wenn eine psychische Wirkung von Progesteron gewünscht ist, sollte bevorzugt eine Kapselzubereitung genommen werden.

Progesteron kann als Kapsel zum Einnehmen, als Kapsel für die vaginale Zufuhr und als Cremezubereitung substituiert werden.

Progesteronsubstitution erfolgt bevorzugt abends!

Wenn Frauen einen verkürzten Zyklus haben, besteht eine erhöhte Osteoporose-Gefahr im Alter. Warum? Progesteron fördert die Osteoblasten-Aktivität (Östrogene hemmen nur die Osteoklasten-Aktivität)

Suchen Sie sich einen erfahrenen Therapeuten, Arzt oder Heilpraktiker (Hormonrezepturen dürfen jedoch nur von Ärzten ausgestellt werden), wenn Sie vermuten, dass ein Progesteronmangel bei Ihnen vorhanden sein könnte. Nutzen Sie die Chancen der Substitution mit naturidentischen, bioidentischen Hormonzubereitungen. (Winfried Miller)