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Eine PMDS (= prämenstruelle dysphorische Störung) ist die schwerste Ausprägung eines PMS (= prämenstruellen Syndroms). Bei der PMDS geht es nicht mehr nur um „Befindlichkeitsstörungen, kurz vor dem Einsetzen der Blutung“ sondern um tiefgreifende Auswirkungen auf das soziale Umfeld der betroffenen Frauen. Weltweit sollen bis zu 8% aller Frauen im reproduktionsfähigen Alter (= vor der Menopause) an diesem Syndrom leiden.

Depressive Verstimmung und hohe Reizbarkeit, die zu regelmäßig wiederkehrenden Konflikten im sozialen Umfeld führen, sind die Kernsymptome. Einer Studie zufolge sollen bis zu 9 Jahre vergehen, bis ein PMDS erkannt wird. Frauen über 30 Jahren sind am häufigsten betroffen.

Symptome des PMDS:
• Frauen erleben sich in der zweiten Zyklushälfte (= nach dem Eisprung) bewusst anders als kurz nach dem Einsetzen der Monatsblutung.

• Es werden Dinge gesagt und getan, von denen die betroffenen Frauen genau wissen, dass sie falsch sind.

• Sie reagieren impulsiv und aggressiv mit verbalen und tätlichen Angriffen (führt zwangsläufig zu Konflikten in der Familie und am Arbeitsplatz)

• Gefühl der Insuffizienz (Wertlosigkeit), Energiemangel, schlechter Schlaf, Kohlenhydrat-Fressattacken, Wassereinlagerungen, Gewichtszunahme, Gelenk-/Muskelschmerzen etc.

• Ohnmachtsgefühl gegenüber der Periodik der Situation: an durchschnittlich 2.800 Tagen (= 8 Lebensjahre) sieht sich die betroffene Frau diesem Problemen ausgesetzt.

Diagnostik:
Durch Führen eines Zyklustagebuches wird die wiederkehrende Problematik in der zweiten Zyklushälfte deutlich, bei gleichzeitig guter Verfassung kurz nach dem Einsetzen der Monatsblutung.

Therapieoptionen:
Behandlung mit Antidepressiva:
„Schulmedizinisch“ sind Vertreter aus der Gruppe der SSRI die Mittel der Wahl (Fluoxetin, etc.); niedrige Dosierung (z.B. 10-20 mg Fluoxetin), schnelles Ansprechen und ca. 85% Ansprechrate (=Erfolgsrate) sprechen für die SSRI-Präparate. Da selbst bei niedriger Dosis ein Effekt schon nach 24 Stunden beobachtet wurde, kann ein geeignetes Präparat auch nur in der zweiten Zyklushälfte eingenommen werden (= intermittierend). Mit Einsetzen der Blutung wird dann wieder abgesetzt und nach ca. 14 Tagen wieder begonnen.

Behandlung mit Hormonen (Pille):
Therapieprinzip: Hemmung des Eisprungs, so dass die Frau nicht in die zweite Zyklushälfte (=Lutealphase) kommt.
Dabei wird empfohlen, eine Langzeit-Hormontherapie über jeweils 6 Monate durchzuführen (= ohne Unterbrechung der Pilleneinnahme), so dass es nicht zu Abbruchblutungen kommt. Die empfohlenen Substanzen sind Drospirenon und niedrig dosiertes Östrogen. Drospirenon steht jedoch hinsichtlich einer gesteigerten Thromboseneigung international in der Kritik.

Kombinationen von Antidepressiva und Hormonen können versucht werden.

In meiner Praxis habe ich gute Erfahrungen mit 5-HTP beim PMS und PMDS machen können.

Lifestyle-Änderungen in Form von vermehrten sportlichen Aktivitäten, grundsätzlicher Änderung von Ernährungsgewohnheiten, Phytotherapie, Ersatz von eventuell vorhandenen Vitamindefiziten (Laboruntersuchung machen lassen), können zusätzlich hilfreich sein.

Psychotherapie (Verhaltenstherapie), oftmals über einen langen Zeitraum bereits durchgeführt, bringen meiner Erfahrung nach nicht den gewünschten anhaltenden Effekt. (Winfried Miller)