2012-10-15 Nierenstein 3Wer jemals eine Nierenkolik durch das Steckenbleiben eines Steins im Harnleiter erleiden musste, weiß, was stärkste Schmerzen sind. In der Regel wird der Notarzt gerufen. Der wird bereits kurz nach seinem Eintreffen Medikamente gegen die kolikartigen Schmerzen spritzen (üblicherweise Opiate).

Wenn der erste Schmerz nachgelassen hat, sollte darauf Wert gelegt werden, den „Übeltäter“ zu sichern, d.h., der Stein sollte gewonnen und einer Analyse zugeführt werden. So lassen sich die immer noch hohen Rezidivraten bei Steinkoliken auf ca. 10% senken.

Bis zu 92% der betroffenen Patienten geben an, dass sie lieber täglich ein Medikament schlucken, wenn sich dadurch eine Kolik vermeiden lassen würde. Auf Seiten der Ärzte sieht es dagegen anders aus: hier glauben zwei Drittel der Ärzte, dass ihre Patienten lieber alle zwei Jahre eine Steinkolik erleiden würden als täglich eine medikamentöse Prophylaxe einzunehmen.

Notfallmassnahmen durch den Betroffenen:
Diclofenac 100 mg als Zäpfchen oder 75 mg als Tablette (wenn keine Kontraindikationen bestehen; vorher mit dem Arzt abklären); wenn ohne Erfolg: Notarzt benachrichtigen

Ursachenabklärung:
• Bei nachgewiesenen Kalzium-(oxalat)-steinen muss der Kalziumhaushalt untersucht werden.
• Abklärung einer Nebenschilddrüsenerkrankung
• Besteht eine Dünndarm-Erkrankung (z.B. Morbus Crohn)?
• Metabolisches Syndrom?
• Zu konzentrierter Urin durch zu wenig Trinken?

Wie sieht die Prophylaxe aus?
Das ist abhängig von der Zusammensetzung der Harnsteine!

Kalziumhaltige Steine (Whewellit, Weddellit, Karbonatapatit, Brushit):
• Bei allen kalziumhaltigen Steinen muss die Kalzium- und die Vitamin D3-Zufuhr kontrolliert werden. Nicht mehr als 1000 mg (= 1g) Kalzium pro Tag.
• Die tägliche Trinkmenge sollte ca. 2 Liter betragen.
• Urin-pH auf 6,5 einstellen mittels Citrate

Harnsäuresteine (Uratsteine):
• Vermehrte Flüssigkeitsmenge (2 Liter pro Tag)
• Verzicht auf purinreiche Nahrungsmittel wie Innereien, Leber- und Blutwurst
• Regelmäßige, lebenslängliche Einnahme von Alkalizitrat

Oxalathaltige Steine (Whewellit, Weddellit):
Weitgehender Verzicht auf Rhabarber, Spinat, Mangold, Nüsse, Kakao

Harnsteine, die den Harnleiter verlegen oder sich im Nierenbecken eingeklemmt haben und nicht spontan mit dem Urin abgehen, müssen vom Urologen „geholt werden“.
Das geht üblicherweise über die Harnröhre oder (in seltenen Fällen bei Nierenbeckensteinen) direkt über einen äußeren Zugang durch die Haut in das Nierenbecken.
Sprechen Sie bei vorhandenem Nierensteinleiden rechtzeitig mit Ihrem Urologen über mögliche operative Masnahmen.
(Winfried Miller)