US Navy 040203-N-4182M-001 National Naval Medical Center physician, Capt. David Thompson performs an ear tube surgery on a young hospital patientFast jedes Kind hat im Laufe seiner kindlichen Entwicklung mal eine Mittelohrentzündung mit gleichzeitigem Erguss (Ansammlung von Flüssigkeit im Mittelohr). Wenn der Erguss über Wochen oder sogar Monate bestehen bleibt (chronischer Paukenerguss), hat in der Vergangenheit oftmals der HNO-Arzt, als Facharzt für diesen Bereich, zum Einsetzen eines Paukenröhrchens geraten. Zweck dieser Vorgehensweise ist die Wiederherstellung der Belüftung des Mittelohrs über die Tube (Verbindungsgang zwischen Rachen und Mittelohr). Bei Kleinkindern kann es bei einem chronischen Paukenerguss zu Sprachentwicklungsstörungen kommen.

Aktuell wird diese operative Maßnahme aber hinsichtlich der Erfolgsaussichten kritisch beurteilt. Favorisiert wird als Erstmaßnahme ein Therapieversuch mit dem „Nasenluftballon“. Sollte das nach einem intensiven Übungsintervall von 2-3 Wochen nicht zum Erfolg führen, ist ein operatives Verfahren angesagt. Dabei wird einer Entfernung der meist vergrößerten Rachenmandel (Adenotomie), zusammen mit einer beidseitigen Parazentese (Schlitzen eines Bereichs des Trommelfells mit evtl. Paukenröhrchen-Einlage), der Vortritt gegeben. Ob sich dieses Vorgehen im Langzeitvergleich tatsächlich als besser herausstellt, wird sich zeigen müssen.

Das alleinige Einlegen eines Röhrchens in das Trommelfell zur Beseitigung eines Paukenergusses hat in der Vergangenheit eher bescheidene Ergebnisse gebracht. In einer schwedischen Studie wurde gezeigt, dass nach fünf Jahren noch 50% der Kinder Ohrprobleme hatten, nach 10 Jahren noch 20%!

Übrigens: eine langfristige Antibiotikagabe bringt nichts, genauso wenig abschwellende Nasentropfen, Antihistaminika oder Kortison (Winfried Miller).