A Parisian seamstress suffering from anaemia is pale and Wellcome L0032772
Haben Sie gewusst, dass Eisenmangel weltweit die häufigste Mangelerkrankung ist?

Wie ist ein Eisenmangel definiert? Welche Symptome/Beschwerden hat der betroffene Patient?

Wenn im Rahmen einer Laboruntersuchung der Hämoglobinwert bei Frauen unter 12g/dl, bei Männern unter 13 g/dl ist, besteht definitionsgemäß ein Eisenmangel.

Patienten klagen über ….

• blasse Haut und Schleimhaut
• Dyspnoe (Kurzatmigkeit)
• schnelle Ermüdbarkeit
• Schwindel
• Kopfschmerzen
• Leistungsabfall
• Vergesslichkeit
• Konzentrationsstörungen
• Nervosität, innere Unruhe, unruhige Beine (restless legs)
• Appetitlosigkeit
• Magen-Darm-Beschwerden
• Schwächeanfälle
• Störungen der Wärmeregulation: Kältegefühl
• Erhöhte Infektanfälligkeit
• Hauttrockenheit
• Brennende Zunge
• Rissige Lippen
• Schluckbeschwerden
• Sodbrennen
• Starker Haarausfall, stumpfes, gespaltenes Haar
• Brüchige Nägel (Pica-Syndrom)
• Nächtliche Muskelkrämpfe
(Quelle: http://www.internisten-im-netz.de/de_eisenmangel-symptome_1098.html)

Wenn diese Symptome beim Arzt berichtet werden, sollten folgende Laborwerte bestimmt werden:

• Hämoglobin
• Serumferritin
• Transferrinsättigung
• CRP

Die Bestimmung des Serumeisens als alleinigen Laborwert ist in der Zwischenzeit obsolet.

Wie kann es zu einem Eisenmangel kommen?
• Starke Menstruation
• Schwangerschaft
• Blutverluste über chronische Darmentzündungen
• Nierenfunktionsstörungen (fortgeschrittene Niereninsuffizienz)
• Tumorerkrankungen
• Nach größeren Operationen
• Bei Sportlern durch Eisenverlust über vermehrte Schweißbildung
• Zu wenig Magensäure
• Einnahme von Medikamenten
o ASS
o Antacida (Magensäurebinder)
o Clofibrate (zur Cholesterinsenkung)

Wie kann ein Eisenmangel behoben werden?
Biologisch verwertbares Eisen kann als Tabletten, Trinklösungen und theoretisch auch als Injektion verabreicht werden. Ein ausgeprägter Eisenmangel wird sich durch Ernährungsmaßnahmen mittelfristig nicht beheben lassen.

Oral zu verabreichende Eisenpräparate sollten eine Stunde vor dem Essen bzw. zwei Stunden nach dem Essen eingenommen werden. Ohne ärztliche Empfehlung/Kontrolle sollten Sie keine Eisenpräparate einnehmen. Schwarztee verhindert übrigens die Eisenaufnahme im Darm!

Wie sieht es mit einer schnelleren Behebung des Eisenmangels mittels Injektionslösungen aus?

Dieser, in der Vergangenheit oft praktizierten Vorgehensweise, hat das BfArM (Bundesaufsichtsbehörde für Arzneimittel) im Herbst 2013 einen „Dämpfer“ erteilt.

In einem Risikobewertungsverfahren kamen die Arzneimittel-Sicherheitsexperten zu dem Ergebnis, dass die parenterale (= nicht-orale) Verabreichung von Eisenpräparaten mittels Injektionen/Infusionen ein erhöhtes Risiko schwerer Überempfindlichkeitsreaktionen mit sich bringen kann.

Im Rahmen einer bundesweiten Aussendung (Roter-Hand-Brief) wurden im Oktober 2013 alle Ärzte in Deutschland über diese Risiko-Neubewertung informiert. In diesem Brief wurden nachfolgende Feststellungen getroffen:

Alle i.v. (intravenös zu verabreichenden) Eisenpräparate haben ein erhöhtes Überempfindlichkeitsrisiko, bis hin zu tödlichen Verläufen!

Auch wenn bisherige i.v.-Verabreichungen komplikationslos vertragen wurden, kann es bei der nächsten Injektion zu schweren Nebenwirkungen kommen.

Die Nutzen-Risiko-Bewertung der intravenösen Verabreichung von Eisenpräparaten ist nur dann positiv bewertet, wenn folgende Sicherheitsempfehlungen befolgt werden:

Wenn es in der Vergangenheit bei/nach einer Eiseninjektion „Auffälligkeiten“ gegeben hat, ist die erneute intravenöse Verabreichung nicht empfohlen.

Das Risiko einer Überempfindlichkeitsreaktion auf intravenös zugeführtes Eisen ist erhöht bei:
• Patienten mit Allergien
• Patienten mit immunologischen oder entzündlichen Erkrankungen (z.B. rheumatoide Arthritis, Lupus erythematodes etc.)
• Patienten mit schwerem Asthma, Ekzemen oder anderen Haut bezogenen Allergien

Eisenpräparate zur intravenösen Verabreichung sollten nur dann angewandt werden, wenn …

der Patient während und bis mindestens 30 min nach der i.v.-Verabreichung einer eisenhaltigen Injektionslösung sorgfältig auf Anzeichen einer Überempfindlichkeitsreaktion überwacht werden kann,

wenn in der Erkennung und Behandlung von Überempfindlichkeitsreaktionen geschulte Fachkräfte vorhanden sind und eine vollständige Ausrüstung zur Reanimation (Wiederbelebung) unverzüglich verfügbar ist!

FAZIT:
Mit diesen neuen Sicherheitsbewertungen ist die intravenöse Verabreichung von Eisenpräparaten in der ambulanten/niedergelassenen Praxis bei einer großen Patientengrupe weitgehend nicht mehr durchführbar! Kein Arzt wird sich im Haftungsfall wegen Unwissenheit aus der Verantwortung nehmen können.

Was bleibt, ist die ärztliche Empfehlung/Verordnung von oralen Eisenpräparaten. Das dauert zwar deutlich länger, ist aber sicherer!
(Winfried Miller)