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Forscher aus den USA haben an Mäusen einen ursächlichen Zusammenhang zwischen erhöhten Cholesterinwerten und der Entstehung von Brustkrebs aufgedeckt. Diese Ergebnisse seien auf den Menschen übertragbar.

Seit vielen Jahrzehnten ist bekannt, dass übergewichtige Frauen mit einem BMI (Body Mass Index) von 28 und höher ein erhöhtes Brustkrebsrisiko haben. Jetzt wird daraus die Schlussfolgerung gezogen, dass es das im Körperfettgewebe gespeicherte Cholesterin, genauer eines der Abbauprodukte von Cholesterin, das 27-OH-Cholesterin, für die erhöhte Brustkrebsrate verantwortlich sein könnte.

Ein Blick in ein gängiges Biochemie zeigt, dass der Ursprung aller wichtigen Steroidhormone des Säugetiers (dazu gehört auch der Mensch) das Cholesterin ist. Östrogene (die „weiblichen“ Hormone), Testosteron (das „männliche“ Hormon), Progesteron und viele andere Hormone, die zur Regulierung unseres Organismus nötig sind, werden in unserem Körper aus Cholesterin als Ausgangssubstanz produziert.

Die oftmals unkritische Senkung von „erhöhten“ Cholesterinwerten mittels Medikamenten (meistens sind es Statine) greift übrigens in diesen Hormonstoffwechselprozess ein.

Zurück zu der vermeintlichen Entdeckung der amerikanischen Forscher.
Wie wir alle wissen, sind unphysiologisch erhöhte Östrogenkonzentrationen im Blut von Frauen ein potentielles Risiko für die Entstehung und da Wachstum von Brustkrebszellen. Die noch bis vor kurzem gängige Praxis der Hormongabe an Frauen, um die Wechseljahresbeschwerden zu kaschieren (HET = Hormonersatztherapie), hat als unerwünschte Wirkung eine deutliche Erhöhung von Brustkrebsfällen mit sich gebracht. Seitdem dieses „Gießkannenprinzip“ aufgegeben wurde, hat sich die Zahl der Neuerkrankung an Brustkrebs deutlich reduziert.

Wenn jetzt behauptet wird, dass durch eine Senkung des Cholesterins (durch Ernährung und Medikamente) das Brustkrebsrisiko gesenkt werden kann, bzw. bei bestehender Brustkrebserkrankung die Antiöstrogene (z.B. Tamoxifen) besser wirken können, dann ist das reine Theorie. Aus der täglichen Praxis kenne ich Brustkrebspatientinnen, die sich über mehrere Jahrzehnte vorbildliche ernährt haben, im Labor niemals erhöhte Cholesterinwerte hatten und trotzdem erkrankten.

FAZIT: Lassen Sie sich von derartigen vorschnellen Schlussfolgerungen motivierter Forscher nicht verunsichern! Schlimm wäre es, wenn diese „Mäuseergebnisse“ demnächst als Argument herhalten müssten, um darüber verstärkt Cholesterinsenker „an die Frau“ zu bringen. Angst ist ein guter Verkäufer. (Winfried Miller)