The gout james gillray
Die meisten von uns denken beim Begriff „Gicht“ an Gelenkschmerzen, vor allem im Großzehen. Hohe Harnsäurekonzentrationen im Blut führen zur Harnsäurekristallbildung in bereits vorgeschädigten Gelenken (z.B. durch Arthrose).
Kristalle im Gelenk führen zu einer heftigen Entzündungsreaktion mit sehr starken Schmerzen (Podagra, Gichtanfall).

Erhöhte Harnsäurewerte im Blut haben aber darüber hinaus noch weitere gesundheitliche Bedeutung auf andere Gewebesysteme. Vor allem die Innenauskleidung der Blutgefäße (Endothel) ist betroffen.

Das Enzym (Xanthinoxidase), welches für die Bildung von Harnsäure aus Vorstufen (Purine) verantwortlich ist, ist selber ein starker Radikalbildner. Wie wir in den vergangenen Jahren immer wieder gehört haben, ist ein Übermaß an Radikalen im Körper verantwortlich für mannigfaltige Gewebeschäden. Bei erhöhten Harnsäurewerten wird das Gefäßendothel (die Innenauskleidung der Blutgefäße) geschädigt; Arteriosklerose ist die Folge. Schlaganfall und Herzinfarkt sind wiederum die bekanntesten Folgeerkrankungen einer Arteriosklerose.

Wer chronisch erhöhte Harnsäurewerte im Blut hat, stirbt früher!

In der Medizin stehen zur Senkung von erhöhten Harnsäurewerten verschiedene Substanzen zur Verfügung. Altbekannt und millionenfach bewährt ist Allopurinol. In jüngster Zeit ist eine weitere Substanz, ein Xanthinoxidase-Hemmer (hemmt das Enzym, welches aus Purin Harnsäure herstellt) verfügbar geworden. Vom Hersteller wird der Effekt dieser Substanz mit einem Schutz der Endothelfunktion der Gefäße argumentiert.

Meine Meinung dazu:
Bevor Harnsäure senkende Präparate zum Einsatz kommen, sollten alle ernährungs-medizinischen Optionen ausgeschöpft werden. Wenn dann trotzdem noch kritische Harnsäurewerte gemessen werden, empfehle ich nach wie vor Allopurinol in möglichst niedriger Dosierung und dazu einen potenten, natürlichen Radikalfänger (als Schutz für die Gefäße). Bisher konnte ich den entscheidenden Vorteil des neuen, wesentlich teureren Medikaments (Xanthinoxidase-Hemmer) für meine Patienten nicht erkennen. Endothelschutz gibt es billiger und ohne Nebenwirkungen! (Winfried Miller)