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Nur etwa 10% der Prostatakrebsfälle sind durch die Gene hinterlegt (= vererbt). Die überwiegende Anzahl der Prostatakrebsfälle ist durch die persönliche Lebensweise (z.B. Rauchen) und durch Einflüsse von Umweltfaktoren verursacht.

Die individuelle Ernährungsweise spielt dabei eine entscheidende Rolle. Überwiegender Verzehr von fett- und kalorienreichen Nahrungsmitteln wird für die Entstehung von Prostatakrebszellen verantwortlich gemacht. Der regelmäßige Verzehr von Gemüse, Obst und Fisch hingegen wird als Schutzmaßnahme angesehen.

Den in diesen Lebensmitteln enthaltenen Mikronährstoffen wird eine wesentliche schützende Rolle vor der Entwicklung von Prostatakrebszellen zugesprochen.

Omega-3-Fettsäuren
Die langkettigen Omega-3-Fettsäuren kommen in den Membranen unserer Körperzellen vor. Mit der richtigen Ernährung können wir folgende Omega-3-Fettsäuren zu uns nehmen: alpha-Linolensäure, DHA (= Docosahexaensäure) und EPA (= Eicosapentaensäure). Die regelmäßige Aufnahme einer ausreichenden Menge an Omega-3-Fettsäuren vorausgesetzt, können wir damit zu einer entzündungsärmeren Situation in unserem Körper beitragen.

Jetzt werden Sie sich vielleicht fragen, was Entzündungen mit der Entstehung von Krebs zu tun haben. Ziemlich viel sogar! Die Studienergebnisse der letzten 10 Jahre lassen es sehr wahrscheinlich erscheinen, dass chronische Entzündungen (auch solche auf dem Niveau der nicht spürbaren Schwelbrandentzündung = silent inflammation) den immunologischen Weg für die Entstehung und Verbreitung von Tumorzellen aller Art freimachen. So können auch chronische Entzündungen im Zahn-/Kieferbereich, aber natürlich auch eine chronische Prostataentzündung zur Entwicklung einer Prostatakrebserkrankung entscheidend beitragen.

In klinischen Studien konnte der Nutzen einer Einnahme von Omega-3-Fettsäuren aus fetten Fischen (Lachs, Makrele, Heringe) bzw. aus entsprechenden Kapselzubereitungen mit einem hohen Gehalt an DHA und EPA auch bei Patienten mit bereits metastasiertem Prostatakrebs gezeigt werden.

Männer (z.B. Inuits = Eskomis), die regelmäßig Fische und andere Meeresfrüchte konsumierten, hatten deutlich seltener Prostatakrebs.

Carotinoide
Carotinoide sind Farbstoffe in Pflanzen und anderen Lebewesen. Tomaten enthalten z.B. das Carotinoid Lycopin. Damit Carotinoide in unserem Darm gut aufgenommen (= resorbiert) werden können, sollte immer ausreichend Fett oder Öl mitverzehrt werden. Das heißt konkret, Tomatenmark auf Butterbrot, gedünstete oder passierte Tomaten immer mit einem Schuss Olivenöl zubereiten.

Wie kann Lycopin zur Prostatagesundheit beitragen?
Lycopin ist ein potentes Antioxidanz. Substanzen aus der Gruppe der Antioxidanzien sind in der Lage, im Stoffwechsel unseres Körpers entstehende Radikale zu neutralisieren. Derartige Radikale entstehen in großer Menge in jeder Sekunde unseres Lebens. Da wir Sauerstoff für unseren Stoffwechsel und damit für unser Leben benötigen, sind die sogenannten Sauerstoffradikale die häufigsten Radikale unseres Stoffwechsels.

Ein normales Maß an Radikalen brauchen unser Körper und die Regulationssysteme der unterschiedlichsten Stoffwechselvorgänge, um im Lot zu bleiben. Abwehrzellen unseres Immunsystems (z.B. die Makrophagen) können mit Hilfe von Radikalen in ihren Zellorganellen schädliche Eindringliche (Viren, Bakterien etc.) unschädlich machen. Ein theoretisch generelles, komplettes Ausschalten der Radikalbildung in unseren Körperzellen durch die Einnahme oder intravenösen Zufuhr von riesigen Mengen an Antioxidanzien wäre mit unserer Gesundheit, wahrscheinlich sogar mit dem Leben nicht vereinbar.

Von Lycopin weiß man, dass es die Weiterentwicklung von Vorstadien von Prostatakrebszellen hemmen kann. Der Schutz gesunder und sich bereits krebsartig in Veränderung befindlicher Prostatazellen vor Sauerstoffradikalen scheint der zu Grunde liegende Effekt zu sein.

Soll man als Mann jetzt regelmäßig Lycopinkapseln schlucken?
Nein, das bringt nicht viel! Man hat nämlich in zahlreichen Studien nachgewiesen, dass ein isoliertes Lycopin deutlich schlechter im Darm aufgenommen wird als ein Lycopin, welches sich noch in der Umgebung seiner Originalsubstanzen (=Matrixstruktur) befindet. Liest sich vielleicht kompliziert, ist aber einfach. Lycopin in gedünsteten oder passierten Tomaten, Tomatenmark oder einfacher Tomatensoße wird besser aufgenommen. Dabei immer auf eine kleine Menge Fett/Öl achten (siehe oben).

Vitamin E
Vitamin E ist ein fettlösliches Vitamin. In Studien konnte gezeigt werden, dass Vitamin E das Wachstum von Prostatakrebszellen hemmen kann und die Apoptose dieser Krebszellen fördert (Apoptose = Selbstmordprogramm von Zellen). Daneben schützt es die Zellmembranen vor Oxidation durch Sauerstoffradikale. Eine tägliche Einnahme von 50 mg alpha-Tocopherol (eine der in Vitamin E vorkommenden Leitsubstanzen) über 5-8 Jahre hatte in einer Studie die Krebsentwicklung um 32 Prozent und die Sterblichkeitsrate an Krebs um 41 Prozent gesenkt. In jüngster Zeit wird anstelle von alpha-Tocopherol häufig die Einnahme von alpha-Tocotrienolen (ebenfalls eine der Leitsubstanzen in Vitamin E) empfohlen.

Selen
Selen ist ein unbedingt notwendiges (= essentielles) Spurenelement. Die tägliche Zufuhr über die Ernährung liegt im Bereich von Mikrogramm (millionstel Gramm). Seine schützende Wirkung vor der Entstehung von vielerlei Krebserkrankungen ist in zahlreichen Studien nachgewiesen.

Auch für die Prostatagesundheit spielt Selen eine wichtige Rolle. Bei Prostatakrebs-Patienten konnte eine deutlich niedrigere Neubildungsrate an Krebszellen unter einer ausreichend hohen Seleneinnahme nachgewiesen werden. Verbunden damit war eine um bis 60 Prozent niedriger Sterberate bei den Prostatakrebs-Patienten.

Der Zusammenhang zwischen jahrelang niedrigen Blutselenspiegeln und dem Auftreten von Prostatakrebs konnte bereits im Jahr 2001 gezeigt werden. Männern, die im Blut einen niedrigeren Selengehalt als 108 ng/ml Serum hatten, wurden 4- bis 5-fach häufiger mit einem Prostatakrebs diagnostiziert. Hat Ihnen Ihr Arzt das vor 11 Jahren erzählt?

In Studien, die 2002 und 2004 veröffentlicht wurden, konnte nachgewiesen werden, dass vor allem ehemalige Raucher von einer ausreichend hohen täglichen Selengabe profitierten. Die Wahrscheinlichkeit, an Prostatakrebs zu erkranken, konnte fast halbiert werden.

Wenn Sie Selenpräparate einnehmen, dann sollte Ihr Selen-Blutspiegel, den Sie immer wieder mal kontrollieren lassen sollten, über 108 ng/ml Serum liegen. Werte zwischen 130 – 180 ng/ml Serum sind anzustreben.

Auf dem Markt gibt es eine Vielzahl von Selenpräparaten. Ich habe mich in meiner Praxis auf Natrium-Selenit-Präparate festgelegt. Davon gib es eine Auswahl von verschiedenen Herstellern im Dosierungsbereich zwischen 50 – 300 Mikrogramm pro Tablette. Konzentrationen pro Tablette von über 200 Mikrogramm sind verschreibungspflichtig. (Winfried Miller)