"Don't Gamble with Appendicitis" - NARA - 514142In einem international anerkannten Medizinjournal wurde aktuell die Frage diskutiert, ob bei einer unkomplizierten Blinddarmentzündung (Appendizitis) die Operation oder die Gabe eines Antibiotikums die Methode der Wahl ist.

Seit Jahren sind chirurgische Verfahren auf dem Rückzug; denken Sie z.B. an die früher häufigen Magenoperationen bei Magengeschwüren. Seitdem es die Säureblocker vom Typ –prazole gibt, wird ein Magenulkus (Magengeschwür) so gut wie nicht mehr operiert.

Bei zunehmend alternder Bevölkerung sind operative Verfahren durchaus mit einem erhöhten Risiko behaftet. Wenn es auch ohne Operation geht, z.B. mittels Kathetertechniken oder mittels Antibiotika, warum dann das Operationsrisiko eingehen und einen längeren Krankenhausaufenthalt in Kauf nehmen?

Bei der eingangs erwähnten unkomplizierten Blinddarmentzündung ist es in der Regel nicht so, dass es sich um eine tickende Bombe handelt. Ein Blinddarmdurchbruch ist eher ein selteneres Ereignis.

Eine israelische Studie plädiert dafür, bei älteren Patienten mit unkomplizierter Blinddarmentzündung zuerst ein Antibiotikum zu versuchen und zu beobachten.

Die Befürworter der operativen Methode argumentieren dagegen, dass viele (10 – 37%) der mit Antibiotika behandelten Patienten dann doch noch operiert werden müssten. In Anbetracht der weltweiten Antibiotika-Resistenzproblematik sollte der Einsatz von noch wirksamen Antibiotika tatsächlich nur den Krankheiten vorbehalten bleiben, für die es keine anderen Behandlungsmöglichkeiten gibt.

Übrigens: Für Kinder gilt bei dringendem Verdacht auf Blinddarmentzündung immer eine OP-Indikation! Hier gibt es keine abwartende Haltung.

Fazit: Meiner Meinung nach sollte bei dringendem Verdacht auf eine Appendizitis immer zuerst der Chirurg gefragt werden und das unabhängig vom Alter des Patienten.
(Winfried Miller)